PhotoWeekly 06.02.2019 | Page 2

Aktuell EDITORIAL 02 Wolfgang Heinen & Florian Schuster, Herausgeber Soll ich das wirklich fotografieren? Neulich schickte uns der Kehrer Verlag ein neu erschienenes Buch mit dem kryptischen Titel „The Technological Hand“ zu. Darin geht es, vereinfacht ge- sagt, um den Trend in der Fotokunst, nicht mehr die reale Natur abzubilden, sondern mit bereits vorhandenen Bildern (Prints, Dateien und so weiter) neue Werke zu er- schaffen. Besonders interessant fanden wir den Aspekt, dass „Es geht um den sich bei diesen fotografi- schen Kunstobjekten die Trend in der Foto- Form beziehungsweise kunst, mit bereits das Werk aus bereits vorhandenem Bildma- vorhandenen Bil- terial ableitet, während dern neue Werke im Gegensatz dazu der Maler ja sein Werk kom- zu erschaffen.“ plett frei erfindet. Und dazwischen steht der „normale“ Fotograf, der mit seiner Kamera aus einer gegebenen Wirklichkeit einen formalen wie zeitlichen Ausschnitt fest- legt und durch den Druck auf den Auslöser entscheidet, diesen auch festzuhalten. Wenn das Ergebnis (im selben Moment oder später) überzeugt, bleibt das Bild. Wenn nicht, wird es entsprechend bearbei- tet oder gelöscht. Die Quintessenz ist aber folgende Frage, die sich jeder stellen sollte, der eines seiner Bilder löscht: Warum habe ich dieses Foto überhaupt aufgenommen? Das wiederum führt zur nächsten Frage vor der nächsten Aufnahme: Will ich die- ses Foto tatsächlich aufnehmen? Ist es gut genug? Oder lieber erst mal auslösen und später entscheiden? Das muss letztlich je- der mit sich selbst ausmachen. Aus reich- lich eigener Erfahrung wissen wir aber: Die ganzen „Lieber-jetzt-erst-mal-aufnehmen- und-später-sehen-wir-mal“-Fotos landen zu 99% im Mülleimer. In diesem Sinne, Augen auf beim Sucher- Durchblick statt Augen zu und durch.