„ Kanada hat uns gezeigt, dass die besten Geschichten oft ungeplant entstehen.“
Martin Krolop
Mit „ Destination Kanada“ führt die vierte Staffel von Krolop & Gerst durch die Weiten Albertas. Im Interview spricht Martin Krolop über besondere Momente, spontane Geschichten und darüber, was es für ihn bedeutet, Fotografie zu leben.
Interview: Anja Bethge, Fotos: Krolop & Gerst
Nach Neuseeland, Namibia und
Schottland führt die „ Destination“- Reihe von Krolop & Gerst diesmal nach Kanada. Am 24. September 2026 startete mit „ Destination Kanada“ die bislang umfangreichste Staffel des Formats. Insgesamt elf Episoden nehmen Zuschauer mit auf eine fotografische Reise durch die Provinz Alberta.
Zwei Wochen lang waren Martin Krolop, Marc Gerst und ihr Team im Camper unterwegs. Dabei führte sie ihre Reise von den Gipfeln der Rocky Mountains über die weiten
ZUR PERSON
Martin Krolop ist Reise- und Peoplefotograf aus Köln. Gemeinsam mit Marc Gerst betreibt er „ Krolop & Gerst“, einen der führenden deutschsprachigen Fotografie- Kanäle auf YouTube.
� @ krolopgerst � krolop-gerst. com � @ krolopgerst
Prärien Albertas bis zu den charakteristischen türkisfarbenen Gletscherseen. Im Mittelpunkt steht dabei immer wieder die Suche nach dem richtigen Licht und dem besonderen fotografischen Moment. Wir haben Martin Krolop gefragt, welche Momente ihm besonders im Gedächtnis geblieben sind, wie viel bei „ Destination“ tatsächlich geplant ist – und was es für ihn nach vier Staffeln bedeutet, Fotografie nicht nur zu lehren, sondern zu leben:
Ihr wart zwei Wochen unterwegs und habt elf Folgen produziert. Welcher Moment steht für dich persönlich für „ Destination Kanada“?
Ein Moment in den Rocky Mountains ist mir besonders geblieben. Wir sind noch im Dunkeln los und über eine Stunde durch den Wald gelaufen, um rechtzeitig zum Sonnenaufgang an einem Fotospot zu sein – entgegen unseren eigenen Tipps sogar ohne Bärenspray. Als wir schließlich auf die Lichtung kamen, stand dort völlig unerwartet eine Foto-Workshop-Gruppe aus den USA. Wir haben uns einfach dazugestellt und gemeinsam einen der schönsten Sonnenaufgänge der Reise erlebt. Diese Mischung aus Wildnis, Überraschung und Gemeinschaft – das war für mich „ Destination Kanada“.
Wie viel von „ Destination Kanada“ ist geplant – und wie viel entsteht erst vor Ort?
Im Grunde ist alles und nichts geplant. Wir haben vorab eine grobe Route und wissen, was wir ungefähr machen wollen. Aber das eigentliche Drehskript entsteht unterwegs. Wir wissen nie genau, welche Menschen wir treffen, welche Geschichten sich ergeben oder welche Orte uns überraschen. Manchmal wird aus einem ungeplanten Fotostopp plötzlich ein großer Teil einer Folge. Genau das macht „ Destination Kanada“ aus: Wir planen den Rahmen – aber die eigentliche Geschichte entsteht vor Ort.
Für die Reise wurden Martin und sein Team von Nikon mit verschiedenen Kameras und leistungsstarken NIKKOR Z Objektiven ausgestattet.
Ihr sprecht oft davon, „ dem Licht hinterherzu- jagen“. Wann habt ihr in Kanada dieses eine Licht gefunden, für das sich das Warten gelohnt hat?
Das beste Licht kommt meistens dann, wenn man eigentlich schlafen möchte. Aber „ Destination Kanada“ soll eben auch zeigen, dass Reisefotografie immer noch eine Reise sein darf – wenn man danach völlig kaputt nach Hause kommt, hat man etwas falsch gemacht. Ein besonderer Moment war für mich gleich am Anfang im Dinosaur Provincial Park: der Sonnenaufgang über diesen unglaublichen Felsformationen. Für dieses Licht hat sich das frühe Aufstehen definitiv gelohnt.
Ihr wurdet von Nikon mit verschiedenen Kameras und NIKKOR Z Objektiven ausgestattet. Wann kam welche Kamera zum Einsatz?
Wir haben uns fürs Filmen bewusst für die Z8 entschieden und die Z9 aufgrund ihrer
Größe zu Hause gelassen. Auf Reisen macht das einen enormen Unterschied. Fotografiert haben wir unter anderem mit der Z8, Z6III und Zf. Die
„ Fotografie leben heißt, die Welt bewusst wahrzunehmen.“
Kameras sind sich in ihren Möglichkeiten so ähnlich, dass meist gar nicht das Modell entscheidend war, sondern das Objektiv, das gerade montiert war. Gerade bei spontanen Situationen zählt schließlich jede Sekunde.
Welches Objektiv wurde zum heimlichen Star der Reise?
Ganz klar das 28 – 400mm – auch wenn es die Reise leider nicht überlebt hat, nachdem Thilo es samt Z8 fallen ließ. Die Kamera hat es überstanden, das Objektiv nicht. Für Kanada war es trotzdem ideal, weil ständig Situationen entstehen, die man nicht planen kann und bei denen ein Objektivwechsel zu lange dauert. Natürlich wäre manchmal eine Blende 2.8 schöner gewesen. Aber wichtiger ist, den Moment überhaupt im Kasten zu haben.
Gemeinsam mit CANUSA, dem Spezialisten für Nordamerika-Reisen, war das Team im Camper durch Alberta unterwegs.
Elf Folgen sind eure bislang größte Staffel. Was konntet ihr diesmal erzählen, wofür in früheren Destination-Staffeln kein Platz gewesen wäre?
Diesmal haben wir uns noch stärker auf das Land, seine Geschichte und Hintergründe konzentriert. Dafür nutzen wir KI-Comics, weil sich viele Themen in 14 Tagen schlicht nicht filmen lassen – etwa die Pacific Railway, die indigene Bevölkerung oder die Entwicklung der Gletscher. Uns ist wichtig, nicht nur schöne Bilder zu zeigen, sondern auch Wissen zu vermitteln und Geschichten zu erzählen, die man über Kanada vielleicht noch nicht kennt. Die KI-Comics geben uns die Möglichkeit, genau diese Inhalte anschaulich zu erklären.
Wenn du morgen noch einmal nach Alberta fliegen könntest – ohne Kamerateam, ohne Produktion, ohne Verpflichtungen: Wohin würdest du zurückkehren?
Eigentlich würde ich überallhin zurückkehren. Aber vor allem würde ich mir mehr Zeit für die Rocky Mountains nehmen – richtig wandern, vielleicht mit einem Einheimischen eine Tour machen und draußen übernachten. Und ich würde definitiv mehr Zeit auf den Campingplätzen verbringen. Gerade in den Rocky Mountains sind die unglaublich weitläufig und einfach etwas Besonderes. Auch im Dinosaur Provincial Park hätte ich gerne noch mehr Wanderungen gemacht. Rocky Mountains, Campingplätze, Natur – das wäre mein Ziel. Wer Alberta selbst erleben und unserer Route folgen möchte, kann die Rundreise mit den Stopps aus „ Destination Kanada“ über CANUSA buchen.
Ihr wollt Fotografie nicht nur lehren, sondern „ leben“. Was bedeutet dieser Satz für dich inzwischen – nach vier Destination-Staffeln?
Foto-
grafie zu leben heißt für mich, Dinge bewusst zu sehen, sie zu dokumentieren und sich immer wieder selbst herauszufordern. Gerade in Zeiten von KI dürfen wir nicht vergessen, dass Fotografie dadurch nicht einfach ersetzt wird. KI kann sie bereichern, aber auch verändern. Am Ende geht es für mich darum, diesen Drang zu entwickeln, die Welt wirklich wahrzunehmen. Denn nur das, was man sieht, kann man auch fotografieren.
Die neuesten Folgen von „ Destination Kanada“ findest du auf krolop-gerst. com