Finale
AUSSTIEG
26
Fotografen sind
Umweltsäue
Von Wolfgang Heinen
Nachdem die Diskussionen um Kin-
derlieder im WDR mit Textzeilen
wie „Meine Oma ist ne alte Umweltsau“
die deutschen Feiertagsgemüter über
Weihnachten erhitzten, ist das Thema
jetzt auch in der Fotobranche ange-
kommen. Nur anders: Wer Fotoproduk-
tionen durchführt, frevelt massiv an
der Umwelt. Sagt die italienische Mo-
dezeitschrift Vogue und zeigt in ihrer
Januar-Ausgabe ausschließlich Illus-
trationen anstatt Fotos. Und man rech-
net vor, was dadurch an Energie einge-
spart wurde bzw. pro
Ausgabe benötigt
wird: Beteiligt wä-
ren 150 Leute, die 20
Flüge und ein Dut-
zend Zugfahrten ab-
solviert hätten. Dazu
40 Autos in Bereit-
schaft. 60 internationale Lieferungen
wären nötig gewesen. Licht, das für
mindestens 10 Stunden ununterbro-
chen brennt und zum Teil von Gene-
ratoren geliefert wird, die mit Benzin
betrieben werden. Dazu Lebensmit-
telabfälle von Catering-Diensten und
Plastik, um die Kleidungsstücke einzu-
packen sowie Elektrizität, um Telefone
und Kameras aufzuladen.
Kommt ganz schön was zusammen.
Beeindruckend. Aber ist das auch
mehr als ein – genialer – Marketing-
Gag? (Die Januar-Ausgabe der Italo-
Vogue ist schon
jetzt ein sehr be-
gehrtes Samm-
ler-Objekt). Wohl
kaum. Wissen
natürlich auch die
Vogue-Kollegen,
denn: In der Feb-
ruar-Ausgabe der
italienischen Vogue wird es wieder
Fotografie geben. In Zukunft aber, so
die Macher, wohl etwas weniger. Auch
wir von PhotoWeekly haben versucht,
alle Fotografien in dieser Ausgabe
durch eigene Zeichnungen zu erset-
zen. Nein, das wollt ihr nicht sehen.
Weniger Fotografie soll die Umwelt
retten? Aber klar: Schmeißt eure Gene-
ratoren weg. Und diese giftigen Kamera-
Akkus – die kann doch keiner mehr
guten Gewissens kaufen und (auf)brau-
chen. Hört auf damit, Bilder zu bearbei-
ten und dadurch
Rechnerleistung
zu verschwenden.
Druckt unter gar
keinen Umstän-
den mehr Bilder,
die basieren auf tonnenweise Holz und
die Tinte – ihr wisst schon. Die Konse-
quenz: Hört auf zu Fotografieren.
In letzter Konsequenz: Bewegt euch
nicht und stellt das Atmen ein.
Alles Weitere ergibt sich dann.
„Wer Fotoproduk-
tionen durchführt,
frevelt massiv an
der Umwelt.“
„Wir haben versucht,
alle Fotografien dieser
Ausgabe durch
eigene Zeichnungen
zu ersetzen.“
„Konsequenz: Bewegt
euch nicht und stellt
das Atmen ein!“