PhotoWeekly 28.10.2026 | Page 14

NEWS STANDPUNKT 14

Wolfgang Heinen ist Herausgeber diverser Fotomedien und seit mehr als 30 Jahren in der Imaging-Branche aktiv.

Das Ende des Bilder-Handels?

Von Wolfgang Heinen

Bildagenturen hatten jahrzehntelang ein einträgliches Geschäftsmodell: Millionen Fotos zu allen nur erdenklichen Themen ersparten den Werbeagenturen, Medien und sonstigen Bildverbrauchern viel Geld und vor allem Zeit. Mit Getty Images gerät aktuell nicht die erste, aber eine der größten und berühmtesten Bildagenturen in echte Schwierigkeiten: Wegen hoher Schulden und einer veränderten Nachfrage hat das Unternehmen bei einem Gericht im Bundesstaat Delaware ein sogenanntes Chapter-11- Verfahren beantragt. Das heißt übersetzt: Noch nicht pleite, aber es muss ein ernsthafter Plan zur Restrukturierung vorhanden sein. Bei Getty Images ist das eine Eigenkapitalaufstockung von bis zu 533

Millionen Dollar.

„ Bildagenturen beherbergen einen Schatz, dessen Wert noch gar nicht erkannt wurde.“

Zu den Investoren zählen unter anderem die Familie Getty selbst.

Ob die Finanzspritzen die Wende bringen werden? Wohl kaum, wenn man weitermacht wie bisher. Die Bildlizenz-Branche kämpft schon länger mit einer stark veränderten Nachfrage: Immer mehr Kunden greifen auf KI-generierte Bilder statt auf klassische Stockfotos zurück. Warum sollte sich das in Zukunft ändern? Das Bild-Lizenzgeschäft ist ein ökonomisches Modell von gestern – oder etwa doch nicht? Immerhin beherbergen alle Bildagenturen weltweit einen Schatz, dessen Wert noch gar nicht so richtig erkannt wurde: Erstklassige Fotos, die auf Grund ihrer Entstehung nachweislich definitiv nicht durch KI entstanden sind und zum Teil enormen historischen Wert haben. Ob sich mit diesem Umstand zukünftig Geld verdienen lässt, wird sich zeigen. Ein Erfolg ist aber definitiv vorstellbar.