PhotoWeekly 30.09.2026 | Page 42

Alle Fotos: Tino Pohlmann
Foto: Stefan Rachow

INTERVIEW TINO POHLMANN presented by

Präzision in Fahrt

Wenn Fahrer mit 60 km / h vorbeiziehen, muss der Fokus sitzen. Tino Pohlmann erklärt, warum die Leica SL3-P seine Arbeit im Sport verändert.

Alle Fotos: Tino Pohlmann

Text: Sarah Alexandra Fechler, Alle Fotos: Tino Pohlmann

Wenn sich das Fahrerfeld an Radsportlern über das legendäre Kopfsteinpflaster von Paris – Roubaix kämpft, bleibt für Fotografen kaum Zeit zum Zögern. Jeder Moment ist einzigartig, jeder Augenblick unwiederbringlich. Tino Pohlmann kennt diese Welt seit mehr als 20 Jahren – zunächst selbst als aktiver Radsportler, heute als Fotograf. Seine Bilder zeigen nicht nur Geschwindigkeit, sondern erzählen von Menschen,

QUICK

FACTS

Leica SL3-P Preis: ca. 5.990 Euro

Sensor: Vollformat CMOS mit 44,9 Mio. Pixeln

Video-Auflösung: 8K / 30p

Display: 3,2 Zoll Touchscreen( 2.332.800 Bildpunkte)

ISO: 50 – 200.00 Serienbild: bis zu 40 B / s

Weitere Infos �

Emotionen und dem besonderen Licht eines Moments. Für seine jüngste Strecke mit Radsportlern arbeitete er mit der Leica SL3-P.

Du bist seit über 20 Jahren professionell als Foto- graf unterwegs. Wo liegen heute die Schwerpunkte in deiner fotografischen Arbeit?

Meine Fotografie ist sehr nah am Menschen orientiert. Daraus ergeben sich verschiedene Bereiche: Sport, Landschaft, Porträt und People-Fotografie. Das sind die Felder, in denen ich mich hauptsächlich bewege – immer mit einem starken Interesse am Menschen und an dem, was in einer Situation sichtbar wird.

Hast du dann eine klassische Fotografen- ausbildung gemacht?

Nein, ich habe zwar schon

mit 17 oder 18 sehr aktiv fotografiert, aber zunächst gar nicht mit dem Gedanken, daraus einmal Auftragsfotografie zu machen. Ich habe mich dann für Kommunikationsdesign entschieden, mit Schwerpunkt Fotografie und Typografie. Die Hochschule gab mir die Möglichkeit, Fotografie zu vertiefen.

Verfolgungsmodi: Neben Menschen lassen sich auch Autos automatisch mit dem Fokus verfolgen.

Was war dein erstes Projekt mit der Leica SL3-P? Das war Paris – Roubaix, eines der härtesten Eintagesrennen im professionellen

Hartes Rennen: Aufnahme aus Paris – Roubaix, einem der härtesten Eintagesrennen.

Radsport. Es geht über rund 260 Kilometer durch Nordfrankreich, davon etwa 60 bis 70 Kilometer über hartes Kopfsteinpflaster. Da geht es um Geschwindigkeit, um Präzision und darum, im entscheidenden Moment auf den Punkt zu sein. Für so etwas braucht man ein System, auf das man sich hundertprozentig verlassen kann.

Wie war die Arbeit mit der Kamera unter diesen Bedingungen?

Ich arbeite seit fast zehn Jahren mit Leica. Deshalb war vieles sofort vertraut: das Interface, die Menüführung, die Bedienung. Ich musste mich nicht neu einlernen. Was aber wirklich anders war, war die Geschwindigkeit der Kamera – vor allem der deutlich präzisere und schnellere Autofokus. Das gibt einem gerade bei einem Sportevent sehr viel Selbstvertrauen.

Was hat dich an der SL3-P überzeugt?

Neben der Geschwindigkeit vor allem der Dynamikumfang. Ich bin ein Freund des Gegenlichts, und gerade in den Mitteltönen und Schatten habe ich bei der SL3-P eine Qualität gesehen, die ich so noch nicht hatte. Das merkt man besonders später in der Entwicklung der RAW-Datei, wenn man wirklich Lichtführung am Bild betreibt. Da ist unglaublich viel Spielraum drin.

Bildqualität: Die Farben der SL3-P ergeben in Kombination mit der Schärfe der SL- Optiken für Tino das perfekte Paket.

Dem Fahrer folgen: Den vorbeiziehenden Radfahrer mit dem Fokus per Tracking folgen zu können, ist bei einzigartigen Momenten mehr als nur praktisch.

Gab es bei Paris – Roubaix eine Situation, in der dir dieser Dynamikumfang besonders aufgefallen ist? Ja, zum Beispiel in den Duschen von Roubaix. Das ist ein epischer Ort: Die Fahrer kommen dort nach dem Rennen an, teilweise verwundet, total zugedreckt. Gleichzeitig ist das Licht dort schwierig, eher dunkel und schattig. Ich habe mit ISO 1600 gearbeitet und war überrascht, wie stabil die Tonwerte geblieben sind. Auch wenn man später die Tiefen anhebt, bleiben die Hauttöne brillant und kippen nicht ins Graubraune. Das hat mich wirklich beeindruckt.

Nutzt du die 40 Bilder pro Sekunde? Ich brauche keine 40 Bilder pro Sekunde. Ich möchte den Moment spüren und nicht einfach nur möglichst viele Bilder produzieren. Oft arbeite ich mit kleineren Sequenzen, vielleicht sieben Bildern. Entscheidend ist für mich, dass ich mich darauf verlassen kann, dass die relevanten Aufnahmen scharf sind.

Hat die SL3-P deine Fotografie verändert? Ja, auf jeden Fall. Früher habe ich im Sport häufig mit festen Schärfepunkten gearbeitet. Bei so einer professionellen Sportveranstaltung wird Geschwindigkeit noch einmal anders definiert; die Fahrer knallen da teilweise mit 60 km / h an einem vorbei. Ich habe mir also vorher einen Punkt auf der Straße gesucht, von dem ich wusste: Da fährt der Fahrer gleich vorbei. Darauf habe ich die Schärfe gelegt. Mit der SL3-P ist das viel einfacher. Ich kann den Fahrer per Continuous Focus früher in den Fokus nehmen, und das Messfeld bleibt wie ein Magnet an ihm kleben. Wenn er dann durch meinen Bildausschnitt fährt, ist die Schärfe immer noch da.

ZUR PERSON

Foto: Stefan Rachow

Seit 2006 arbeitet Tino Pohlmann als freier Fotograf in Berlin. Seine Schwerpunkte liegen in Sport-, Landschafts-, Porträt- und Editorialfotografie. Seit 2015 lehrt er Fotografie an der HTW Berlin. pohlmann. photo