PhotoWeekly 51/2018 | Page 2

Aktuell EDITORIAL 02 Wolfgang Heinen & Florian Schuster, Herausgeber Gegen das visuelle Völlegefühl Wir schauen mal kurz in die Zukunft. In einer Woche hat die liebe Verwandt- schaft inklusive kräftiger Mithilfe deiner Familie und deiner selbst die Festtagsbra- ten-Klöße-Rotkohl-Orgie beendet. Und was bleibt? Ein gewisses Völlegefühl. Also erst mal aufs Sofa und das Tablet anmachen. Warum nicht mal die fotografische Aus- beute des zu Ende gehenden Jahres unter die Lupe nehmen? Das ist eine grundsätz- lich gute Idee, „Hintern hoch vom Sofa, doch in vielen Fällen wirst du Kamera schnappen und dabei ebenfalls raus an die frische Luft!“ ein Völlegefühl bekommen, wenn auch ein visuelles. Tausende Bilder, dutzende Varianten des gleichen Motivs – und was sind denn jetzt die besten Fotos? Wissen wir auch nicht, sorry. Aber für die Zukunft hilft eine spezielle Diät, die genau in diesem Moment star- tet: Tablet ausmachen, Hintern hoch vom Sofa, Kamera schnappen und raus an die frische Luft. Noch mehr Bilder machen? Ja, aber definitiv nur dreimal auslösen. Ok, wem diese Art kalter Entzug zu heftig ist: zehnmal auslösen. Und kein einziges Bild zusätzlich. Diese Foto-Diät bedeutet, sich VOR dem Auslösen mit dem zu erwarten- den und gewünschten Bild auseinanderzu- setzen und sich nicht NACH dem Auslösen damit zufrieden zu geben, das Foto ja spä- ter wieder löschen zu können. Der positive Effekt setzt ziemlich schnell ein: Du wirst dich immer häufiger dabei er- wischen, im letzten Moment erst gar nicht auf den Auslöser zu drücken, weil das Bild so dolle ja nun auch wieder nicht ist. Aber umgekehrt verdichten sich die wenigen Fotos zu richtig guten Bildern. Denn auf einmal weißt du wieder, was „gute Bilder“ sind – und kannst jetzt bei deinen viel zu vielen 2018er-Ergebnissen die Löschtaste zum Glühen bringen. Was bleibt, ist das Wesentliche. Was geht, ist das visuelle Völlegefühl. Im Namen des gesamten PhotoWeekly- Teams wünschen wir frohe Weihnachten und auch schon einen guten Rutsch. Denn nächste Woche machen auch wir Urlaub. Wir sehen uns am 2. Januar 2019 wieder!