Zum Beispiel von einem Gipfel hinunter in ein Tal? Genau, besonders wenn das Sonnenlicht ins Tal fällt. Mein Rat: Sei bereit, früh loszugehen und lange draußen zu bleiben. Das beste Licht gibt’ s morgens und abends – nicht in der Mitte des Tages.
Sonnenuntergang in South Stack, Wales: Die gewundenen Stufen hinunter zu diesem berühmten Leuchtturm auf Anglesey boten einen dramatischen Blickwinkel und eine führende Linie.
Liegt darin auch der Vorteil der kurzen Wintertage für Landschaftsfotografie? Absolut. Im Winter steht die Sonne nie wirklich hoch. Die Nächte sind lang, die Tage kurz – perfekt, um morgens rechtzeitig vor Ort zu sein, mittags eine Pause zu machen und abends noch das Sonnenuntergangslicht mitzunehmen. Ein richtig guter Foto-Tag! Im Sommer ist das Gegenteil der Fall: Da gehe ich abends raus zum Sonnenuntergang, und wenn es klar bleibt, bleibe ich die ganze Nacht draußen und nehme den Sonnenaufgang noch mit.
Ein Stativ ist natürlich unverzichtbar – welches verwenden Sie?
Ich nutze Stative von Fotopro. Die sind sehr stabil und zuverlässig. Ich war im Winter auf Islands schwarzem Sandstrand unterwegs – die Dinger halten durch, nichts geht kaputt. Ich habe zwei davon: eines für Zeitraffer, und mit dem anderen mache ich parallel meine Einzelaufnahmen.
Gibt es weiteres Zubehör, das für Sie einfach unverzichtbar ist?
Filter. Ich versuche, den Dynamikumfang direkt in einer Aufnahme mit Verlaufsfiltern zu erfassen. Ich bin kein großer Fan von Belichtungsreihen – beim Zusammenfügen wirken die Wolken oft unnatürlich weich. Deshalb arbeite ich lieber mit Filtern, um alles gleich in einem Bild zu bekommen. Natürlich geht das nicht immer. Ich mache auch gern Langzeitbelichtungen – drei, vier Minuten – und setze dafür ND- Filter ein. Da experimentiere ich viel.
Wie sieht Ihre Nachbearbeitung aus?
Ich arbeite ausschließlich mit Lightroom. Photoshop nutze ich nur, wenn ich etwas entfernen muss – zum Beispiel einen Ast oder einen störenden Telegrafenmast. Mir ist wichtig, zu erkennen, wo das Licht in das Bild einfällt. Der Blick wird immer vom Licht geführt – also hebe ich genau diese Bereiche gezielt hervor und schärfe nur den Hauptfokuspunkt im Bild. Der Rest darf ruhig etwas weicher bleiben, damit der Blick wirklich beim Motiv bleibt. Viele versuchen, Schatten zu stark aufzuhellen – aber in der Realität ist es eben so, dass Licht nur eine Seite eines Objekts erfasst.
Auf welche Wettervorhersage verlassen Sie sich? Ich nutze mehrere Quellen: den britischen „ Met Office“, aber auch die App „ Clear Outside“, die mir Höhenlagen von Wolken anzeigt – also hohe, mittlere oder tiefe Wolken und deren jeweilige Wahrscheinlichkeit in Prozent. Inzwischen kann ich
Südafrikas Drakensberg: Ian Asprey wanderte in Südafrikas Drakensberg auf eine Höhe von 3.000 Metern, um diesen Blick zu fotografieren, als das Licht den Talboden unter ihm überflutete. das Wetter ziemlich gut einschätzen. Neben der Fotografie habe ich auch gelernt, quasi zum „ Wetterfrosch“ zu werden! Ich weiß, wie bestimmte Wolken auf besonders rote Sonnenauf- oder-untergänge hindeuten. Ich wähle dann gezielt einen Ort – und wenn es nicht klappt, versuche ich es eben ein anderes Mal wieder. Durch die Beobachtung von Hoch- und Tiefdruckgebieten entwickelt man mit der Zeit ein Gefühl dafür, wann sich der Aufwand lohnen könnte.
Gibt es Gegenden im Vereinigten Königreich, in denen Sie gern mehr Zeit verbringen würden?
Ja, in Schottland. Ich muss mehr Zeit dort einplanen. In Südengland war ich schon viel unterwegs – Cornwall, North Devon, Dorset – und ich habe schon einige Reisen gemacht. Aber das Wichtigste ist ein verständnisvoller Partner. Denn wenn einen das Fotografie-Fieber einmal packt, nimmt es das ganze Leben ein – und oft auch das der Familie.
Haben Sie einen Lieblingsort?
Ja, Vestrahorn in Island. Ein unglaublicher Spot. Da treffen Berge, Meer, schwarzer Sandstrand und Dünen aufeinander. Jedes Mal sieht der Ort anders aus. Für Fotografen ist das wirklich ein Ort, der alles bietet.
„ Wenn du ein klares Motiv hast, hast du
Was raten Sie anderen Landschaftsfotografen? Das Wichtigste ist: auch einen Bildfokus.“
Finde dein Motiv. Wenn du ein klares Motiv hast, hast du auch einen Bildfokus. Du kannst den schönsten Sonnenuntergang haben – aber wenn der Vordergrund leer ist, fehlt das eigentliche Motiv. Dann wirkt das Bild nicht. Versuche, den Vordergrund mit einem interessanten Element zu füllen. Wenn du ein starkes Hauptmotiv hast, konzen triere dich zunächst darauf – und warte, bis das Licht passt.
Warten auf das richtige Licht – dafür braucht man sicher viel Geduld?
Definitiv. Ich kann stundenlang auf einer Klippe sitzen, beobachten, wie das Wetter durchzieht – und auf den richtigen Moment warten. Du musst Geduld haben und auch einfach genießen, was du siehst. Ich sage bei meinen Nordlicht- Touren immer: „ Wenn du das noch nie gesehen hast, stecke nicht sofort den Kopf hinter die Kamera – sonst verpasst du alles.“ Ich empfehle: Stelle für die erste Stunde einen Zeitraffer ein, lasse die Kamera alle zehn Sekunden ein Bild machen – und genieße das Erlebnis. Es geht nicht nur um das Foto – es geht auch darum, was man dabei erlebt. Ich habe durch die Fotografie Dinge gesehen, die ich sonst nie gesehen hätte.