PhotoWeekly 04.03.2026 | Page 17

SPECIAL INTERVIEW 17

Lavendelfeldern in der Nähe von Valensole: Die Milchstraße erfüllt den Nachthimmel über Lavendelfeldern in der Nähe von Valensole, Frankreich.

Und die Nordlichter sind natürlich das große Highlight dieser Zeit. Genau – im isländischen Winter hat man extrem lange Nächte. Wenn das Wetter mitspielt, sind wir durchgängig unterwegs, um klare Himmelsabschnitte zu finden. Aber auch tagsüber gibt es dieses wunderschöne, weiche Licht für Landschaftsaufnahmen. Wir suchen gezielt Orte für Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, und nachts bleiben wir draußen – mit kurzen Schlafpausen zwischendurch. Wir fahren viele Kilometer, aber für viele Teilnehmer ist es eine einmalige Chance in ihrem Leben.

Haben Sie Island auch schon im Sommer einmal besucht?

Ja, das ist eine komplett andere Erfahrung als im Winter. Sehr fordernd – Sonnenauf- und-untergang gehen nahtlos ineinander über, und das rund um Mitternacht. Tagsüber zu schlafen ist schwierig, es ist laut, weil ständig Touristen unterwegs sind. Nur die Nordlichter fehlen!

Sie bieten auch Astrofotografie-Workshops in Großbritannien an. Gibt es eine spezielle Ausrüstung dafür?

Für Einsteiger reicht meist die Kamera, ein stabiles Stativ – und ein bisschen Glück. Fortgeschrittene nutzen oft einen Star Tracker für längere Belichtungen. Ohne Tracker sind bei hohen ISO- Werten etwa 20 Sekunden Belichtungszeit möglich, bevor die Sterne anfangen zu verwischen. Der Star Tracker gleicht die Erdrotation aus – er bewegt sich in entgegengesetzter Richtung zur Erdrotation und sorgt dafür, dass die Sterne punktförmig bleiben. So kann man länger belichten und mit niedrigeren ISO-Werten arbeiten, um mehr Licht aus dem Himmel herauszuholen. Ich fotografiere nie nur den Himmel, sondern immer auch den Vordergrund. Mit Tracker wird der Vordergrund unscharf, weil er sich relativ zur Kamera „ bewegt“. Deshalb fotografiere ich erst den Vordergrund ohne Tracker – und danach den Himmel mit Tracker. Später werden beide Aufnahmen zusammengesetzt.

Wie organisieren Sie eigentlich Ihre Astrofotografie-Workshops? Das ist ziemlich anspruchsvoll, weil wir zu 100 Prozent auf Neumond und klare Nächte angewiesen sind – und das kommt leider nicht oft zusammen. Interessierte müssen deshalb flexibel sein. Wenn ich zum Beispiel für den 3. August einen Termin ansetze und das Wetter spielt nicht mit, sage ich: „ Wir können eine Woche vorher oder nachher ausweichen – oder es beim nächsten Neumond versuchen.“ Ich melde mich per E-Mail, sobald es passt. Ich möchte nicht, dass jemand Geld für einen Workshop ausgibt und wir dann nur im Regen dasitzen. Wenn es nicht geht, bin ich ehrlich – und wir verschieben es auf den nächstmöglichen Termin.

Man hat den Eindruck, die Teilnehmer müssen jederzeit abrufbereit sein? Das stimmt – aber so ist Astrofotografie eben. Wenn man auf Teneriffa leben würde, wäre es einfach: Da fährt man einfach in die Berge und ist über den Wolken. Hierzulande ist das deutlich schwieriger, aber genau deshalb

Schneefall bedeckte den schwarzen Sandstrand in der Nähe von Vestrahorn: Starker Wind schuf die Muster, die durch den nächtlichen Frost an Ort und Stelle gefroren waren. auch umso lohnender, wenn man tatsächlich eine klare Nacht bei Neumond erwischt. Viele Teilnehmer stehen zum ersten Mal überhaupt unter einem wirklich dunklen Himmel. Ich zeige ihnen, wie man sich am Nachthimmel orientiert, worauf man achten muss, welche Kameraeinstellungen bei schwachem Umgebungslicht sinnvoll sind – und wenn nötig, wie man mit Licht malt.

Ihr Siegerbild beim „ Landscape Photographer of the Year 2021“ zeigt einen Kometen – war das eine aufwendige Planung? Eigentlich nicht. Der Komet ist ja da – und durch die enorme Entfernung scheint er sich kaum zu bewegen. Er verhält sich wie ein Stern am Himmel: Wenn er auftaucht, bleibt er die ganze Nacht über sichtbar, und man verfolgt seine Bahn einfach mit der Erdrotation. Ich wusste, dass der Komet sichtbar sein würde. An dem Abend war ich eigentlich auf der anderen Seite von Anglesey unterwegs, habe Aufnahmen vom kleinen Leuchtturm auf Llanddwyn Island gemacht. Der Himmel war klar, und ich wusste, dass man den Kometen von einem nördlicheren Standort aus gut sehen würde – also bin ich auf die andere Seite der Insel gefahren. Man könnte sagen, ich hatte Glück, aber es war eher mein Plan B.

Haben Sie sich alles selbst beigebracht? Ja, komplett autodidaktisch. Ich habe unzählige Youtube-Videos

„ Ich zeige den Teilnehmern wenn nötig, wie man mit Licht malt.“ geschaut und viel geübt. Mark Andreas Jones war mir eine große Hilfe – besonders in den Anfangsjahren. Von ihm habe ich gelernt, wie wichtig Komposition und Lichtführung sind. Ich habe mein fotografisches Auge stark durch ihn entwickelt – einfach, indem ich ihm zugehört und genau hingeschaut habe.

Welche Ausrüstung haben Sie dabei?

Ich arbeite mit der Nikon Z6, erste Generation, und der Z7, ebenfalls die erste Version. Dazu nutze ich drei bestimmte Z-Objektive: das 14 – 30 mm Weitwinkel, das 24 – 70 mm und das 100 – 400 mm Telezoom. Die habe ich bei jeder Tour dabei.

Welches davon ist Ihr Immerdrauf-Objektiv? Definitiv das Weitwinkel. Danach kommt das 24 – 70 mm. Das Telezoom nutze ich eher selten, obwohl es großartig ist, um gezielt Details herauszupicken – vor allem, wenn man von oben herab fotografiert. Vom Boden aus nach oben zu zoomen bringt in der Regel wenig, aber von oben in ein Tal hinein funktioniert gut.