PhotoWeekly 10.12.2025 | Page 20

SPECIAL INTERVIEW 20

ARIZONA, Juli 2021: Vier Blitzeinschläge auf einem Berg während der Monsunzeit.

Sie fotografieren unter ganz anderen Bedingungen als die meisten Fotografen. Welche Vorbereitungen treffen Sie, um Ihre Sicherheit zu gewährleisten?

Die meisten Fotografen bewegen sich nicht direkt auf eine Gefahr zu – das stimmt. Sicherheit hat beim Storm-Chasing absolute Priorität. Ich beginne immer mit gründlicher Recherche: Dazu gehört, die Zugbahn des Sturms und Gefahrenpotenziale zu analysieren. Ich beobachte Wettervorhersagen und Radarbilder im Vorfeld und verfolge die Entwicklung dann live vor Ort. Es ist entscheidend, einen Notfallplan zu haben – das heißt, ich habe zwei mögliche Fluchtrouten im Kopf und kenne Orte, an die ich mich zurückziehen kann, falls sich die Bedingungen verschlechtern. Außerdem habe ich ein Erste-Hilfe-Set dabei sowie Wasser und Snacks.

Wie schützen Sie Ihre Ausrüstung – oder nutzen Sie spezielles Equipment?

Meine Kamera ist wetterversiegelt, das bietet schon mal eine gute Grundsicherung. Nikon entwickelt robuste Systeme, die rauen Bedingungen standhalten. Bei starkem Wind und Staub verwende ich zwischen den Aufnahmen oft Schutzcover für alle Objektive. Gute Vorbereitung schützt nicht nur das Equipment, sondern hilft mir auch, voll konzentriert zu bleiben – damit ich keinen Moment verpasse.

OKLAHOMA, Juni 2023: Mammatuswolken im Abendlicht auf der Rückseite eines Sturms in Oklahoma.

BADLANDS, April 2022: Beobachtung des heranziehenden Sturms direkt über dem Badlands- Nationalpark.

Haben Sie als Frau in der Sturmfotografie mit Vorurteilen zu kämpfen – gerade in einem Bereich, der traditionell männlich geprägt ist? Auf jeden Fall. Dieses Feld wird historisch von Männern dominiert, und das führt oft zu bestimmten Klischees darüber, wer hier angeblich hingehört. Manche glauben, Frauen seien nicht belastbar genug oder nicht geeignet für extreme Bedingungen – was schlichtweg nicht stimmt. Einige der besten Storm-Chaser, die ich kenne, sind Frauen. Ich finde es wichtig, solche Vorstellungen aufzubrechen – nicht nur für mich persönlich, sondern für alle Frauen in diesem Bereich. Wenn sichtbar wird,

dass jeder in der Sturmfotografie erfolgreich sein kann, kann das andere ermutigen, ihren eigenen Weg zu gehen – unabhängig vom Geschlecht.

Ein großer Wandel kam mit der Gründung von

„ Manche glauben, Frauen seien nicht geeignet für extreme Bedingungen.“

Girls Who Chase – einer Initiative, die Frauen dazu ermutigt, selbst auf Sturmjagd zu gehen, und ihnen das nötige Wissen und Selbstvertrauen mitgibt. Es ist eine fantastische Community und eine tolle Möglichkeit, Gleichgesinnte kennenzulernen, die dieselbe Leidenschaft teilen wie ich.