PhotoWeekly 10.12.2025 | Page 21

SPECIAL INTERVIEW 21

ARIZONA, Juli 2022: Flucht vor einer staubigen Haboob, während der Sturm einen Microburst auslöst.

Haben Sie das Gefühl, eine gewisse Verantwortung zu tragen, anderen Frauen den Weg in dieses Feld zu ebnen? Es ist sehr wichtig, andere zu unterstützen und zu inspirieren – gerade in Bereichen, in denen Repräsentation eine Rolle spielt. Einen offenen, einladenden Raum zu schaffen und Erfahrungen zu teilen, kann den Weg für künftige Storm-Chaser bereiten. Es geht darum, einander zu stärken und dazu zu ermutigen, der eigenen Leidenschaft zu folgen – und genau das möchte ich mit meiner Arbeit auch weiterhin tun.

Das Zeitfenster für eine Aufnahme ist oft extrem kurz. Wie schaffen Sie es trotzdem, das Geschehen festzuhalten?

Bei der Sturmfotografie bleibt oft kaum Zeit zum Aufbau. Bevor ich losfahre, stelle ich sicher, dass die Kamera einsatzbereit ist: passende Einstellungen, frischer Akku, leere Speicherkarte. Ich suche mir im Vorfeld einen Ort, an dem sich der Sturm vermutlich bilden wird, und bin dann mindestens 30 bis 60 Minuten vorher dort. So habe ich Zeit, mögliche Kompositionen zu prüfen, zu tanken und mir noch einen Snack zu holen.

Zu Beginn einer Jagd hat man meist noch etwas mehr Zeit – je nach Geschwindigkeit des Sturms zwischen fünf und 15 Minuten. Aber sobald es richtig losgeht, können das auch nur noch wenige Sekunden sein. Deshalb muss die Kamera jederzeit startklar sein – manchmal bleibt einem nicht mehr, als aus dem Auto heraus zu fotografieren.

TEXAS, Mai 2023: Autos flüchten vor einem starken Hagelkern in Texas.

COLORADO, Juni 2023: Der fotogenste „ Stovepipe“- Tornado im Südosten von Colorado.

Können Sie uns einen Blick hinter die Kulissen eines Sturmshootings geben?

Ein bestimmter Sturm ist mir besonders im Gedächtnis geblieben – vor allem, weil er mich gelehrt hat, immer auf mein Bauchgefühl zu hören. Am 22. April 2022 standen zwei Stürme zur Wahl. Die Herausforderung bestand darin, zu entscheiden, welchem ich folgen sollte. Einer befand sich weiter entfernt in Kansas, der andere nördlich von mir in South Dakota. Ich habe lange hin und her überlegt, mich dann aber für den Norden entschieden. Der erste Grund war, dass ich dabei noch einen Nationalpark zu sehen bekäme – eine Win-Win-Situation. Der

zweite Grund war: Manchmal liegt das Besondere in einem kleineren, lokal begrenzten Sturm. Und genau so war es auch. Der Sturm entwickelte sich rasch am Nachmittag und brachte die schöns-

„ Manche glauben, Frauen seien nicht geeignet für extreme Bedingungen.“

te Mothership-Superzelle hervor, die ich je gesehen habe – mit mehreren ausgeprägten Schichten. Zusammen mit der Szenerie des Badlands-Nationalparks im Vordergrund entstand mein bislang liebstes Foto. Es wurde sogar noch im selben Jahr ausgezeichnet.