Herr Behnert, Ihre minimalistischen Bilder wirken oft wie visuelle Meditationen. Ist das Fotografieren für Sie selbst ein spiritueller Prozess oder ein Streben nach innerer Ruhe?
Japan: Architektur und Minimalismus in zeitlosem Schwarzweiß – aufgenommen im charakteristischen Stil von Ronny Behnert.
Es ist eine Mischung aus beidem. Mein Alltag ist – wie bei vielen Menschen – oft von Terminen, Organisation und einem gewissen Tempo geprägt. Das Fotografieren bildet für mich einen Gegenpol. Hier komme ich zur Ruhe. Wenn ich fotografiere, verändert sich meine Wahrnehmung der Zeit. Gerade bei der Arbeit mit Langzeitbelichtungen ist Geduld ein zentraler Bestandteil des Prozesses. Es geht nicht nur darum, ein Bild zu machen, sondern darum, sich intensiv mit einem Ort auseinanderzusetzen und ihn wirklich zu spüren. Wenn ich meine Kamera aufstelle, entsteht eine Art Dialog zwischen mir und der Umgebung.
Wie haben Sie zu Ihrem Stil gefunden? Es gab keinen bewussten Plan. Vielmehr war es ein Prozess, der über Jahre lief. Bei mir führte der Prozess schlussendlich in Richtung Minimalismus, klare Kompositionen und
Wenn ich meine Kamera aufstelle, entsteht eine Art Dialog zwischen mir und der Umgebung. die Arbeit mit Langzeitbelichtungen. Ein wichtiger Einfluss war der österreichische Fotograf Josef Hoflehner. Diese Art zu fotografieren hat mich stark inspiriert. Nicht im Sinne eines Kopierens, sondern eher als eine Bestätigung für einen Weg.
Viele Ihrer Werke sind „ fast“ monochrom. Oft taucht nur ein Farbfleck auf. Nach welchen Kriterien entscheiden Sie, ob ein Farbanteil erhalten bleibt oder das Bild Schwarzweiß wird?
Gimsøy Kirke: Die 1876 erbaute Holzkirche trotzt den rauen Winden und bietet mit ihrer Lage am Meer ein besonders reizvolles Fotomotiv.
Diese Entscheidung treffe ich tatsächlich immer sehr bewusst und sie entsteht meist erst während der Nachbearbeitung. Wenn ich ein Motiv fotografiere, habe ich zwar oft schon eine Vorstellung davon, ob es später eher in Richtung Farbe oder Schwarzweiß gehen könnte, aber endgültig entscheide ich erst, wenn ich mir das Bild am Bildschirm ansehe. Ich frage mich: Tragen die Farben zur Bildwirkung bei? Oder ich achte auf Lichtsituationen: bei Gegenlicht entstehen starke Kontraste – hier wirken Farben mitunter unruhig. Schwarzweiß kann solche extremen Lichtverhältnisse häufig besser aufnehmen und die grafischen Strukturen stärker betonen. Grundsätzlich sind diese Entscheidungen immer persönlich. Ich versuche in der Nachbearbeitung herauszufinden, welche Version dem Gefühl am nächsten kommt, das ich beim Fotografieren an diesem Ort hatte.