Die Schatten fügen zusätzliche Linien in den Bildrahmen ein und erzeugen so ein Gefühl von Richtung und Führung.
Hallo Sara Goli, wie entstand Ihr Interesse an minimalistischer Schwarzweiß-Fotografie – und was hat Sie an diesem Stil besonders fasziniert? Mich haben schon immer die Schlichtheit und Eleganz von Formen angezogen. Die Schwarzweiß-Fotografie ermöglicht es mir, mich ganz auf das Wesentliche eines Motivs zu konzentrieren, Ablenkungen auszublenden und seine innere Struktur sichtbar zu machen. Die klaren Kontraste und der Tonwertreichtum wirken auf mich emotional sehr stark – und genau diese Wirkung möchte ich auch in meinen Bildern vermitteln.
Gibt es ein bestimmtes Projekt oder eine Fotoserie, die für Sie eine besondere Bedeutung hat – und warum?
Meine Serie „ Corona and Minimal“ war ein Wendepunkt für mich. Ich habe monatelang die verlassenen Straßen meiner Stadt durchstreift und die stille Schönheit verlassener Gebäude und übersehener Ecken eingefangen. Dieses Projekt hat mir geholfen, meinen minimalistischen Stil zu entwickeln und Themen wie Isolation und Vergänglichkeit zu erforschen. Die Aufnahmen entstanden während der Corona- Pandemie, als ich die Ruhe und Einsamkeit der Stadt festhalten wollte. Mein Ziel war es, Bilder zu schaffen, die zwar dokumentarisch angelegt sind, aber zugleich in einem Fine-Art-Stil funktionieren.
Wie finden Sie Ihre minimalistischen Motive oder Szenen? Ich finde meine Inspiration im Alltäglichen. Ich halte nach Mustern, Formen und Strukturen
Goli schichtet den Bildraum gekonnt, indem sie Schatten einbindet und zwei Motive miteinander kombiniert.
Ausschau, die sich in eine minimalistische Komposition überführen lassen. Häufig nutze ich negativen Raum, um Balance und Harmonie innerhalb des Bildes zu erzeugen.
Welche Rolle spielt Storytelling in Ihrer Arbeit – und wie vermitteln Sie Tiefe und Emotion in Ihren Bildern?
Auch wenn meine Arbeiten minimalistisch sind, bin ich überzeugt, dass jedes Foto eine Geschichte erzählt. Ich versuche, durch eine Rätselhaftigkeit oder Spannung Emotionen zu wecken. Durch eine sorgfältige Wahl von Komposition, Licht und Motivgestaltung möchte ich Bilder schaffen, die auf einer tieferen Ebene nachhallen.
„ Ich versuche, durch eine Rätsel- haftigkeit oder
Gab es besondere Herausforderungen für Sie als iranische
Spannung Emotionen zu wecken.“
Fotografin – und wie sind Sie damit umgegangen?
Als Fotografin im Iran bin ich durchaus auf Schwierigkeiten gestoßen. Eine der grundlegenden Herausforderungen für Frauen in der Kunst war lange Zeit der Mangel an Anerkennung und Wertschätzung ihrer Arbeit. Meine Leidenschaft für die Fotografie hat mir jedoch die Kraft gegeben, diese Hürden zu überwinden. Indem ich mich auf meine Kunst konzentriert und den Austausch mit Gleichgesinnten gesucht habe, konnte ich ein unterstützendes Netzwerk aufbauen.