PhotoWeekly 24.06.2026 | Page 26

SPECIAL INTERVIEW 26

Würden Sie sagen, es ist ein Fotobuch über das Klettern, ein

Brittany Griffith. Devil’ s Tower, Wyoming, USA

Kletterbuch mit außergewöhnlicher Fotografie – oder beides?

Es ist ein Fotobuch über das Klettern. Es ist meine fotografische Perspektive auf diesen Sport, aber es geht nicht ausschließlich ums Klettern. Wäre es ein reines Kletterbuch, hätten wir es nach Destinationen oder Disziplinen gegliedert – Big Wall, Bouldern, Aid, Sportklettern und so weiter. Stattdessen verbindet das Buch beide Ebenen. Es vereint fotografischen Anspruch und Kletterthematik – und spricht idealerweise Menschen an, die sich für beides begeistern.

Sie haben ein Zubehör für die Kletterfotografie entwickelt. Wie funktioniert Ihr „ Photo Pole“?

Ich habe lang darüber nachgedacht, wie sich beim Klettern bessere Perspektiven realisieren lassen. Wenn man sich an einer Wand abseilt, wünscht man sich oft, fünf bis acht Meter weiter draußen zu sein, um die teils spektakuläre Felsstruktur in Szene zu setzen. 1996 entwarf ich zunächst ein großes Gestell aus Aluminium, das sogenannte

Das ideale Bild entsteht, wenn eine klare Idee auf die bestmögliche Umsetzung trifft.

„ Photo Frame“, und ließ es anfertigen. Ich konnte es in Position ablassen, und es funktionierte – war jedoch aufwendig im Aufbau und nur in wenigen

Situationen praktikabel. 2003 begann ich zu experimentieren: Ich befestigte die Kamera am Ende einer langen Teleskopstange aus dem Malerbedarf, stabilisiert über Abspannleinen, sodass das Gewicht kontrolliert abgefangen wurde. So konnte ich die Kamera in Position bringen, den Bildausschnitt über eine Remote-Übertragung kontrollieren und den Auslöser fernbedienen. Damals noch mit Filmkamera – entsprechend war es eher Trial-and-Error. Mit dem Umstieg auf Digitaltechnik 2008 wurde dieses Setup deutlich präziser und zuverlässiger.

Schon lange hatte ich die Idee, eine bestimmte Route auf diese Weise zu fotografieren – am Devil’ s Tower in Wyoming, USA. Als sich 2010 die Gelegenheit ergab, habe ich das System weiter optimiert, unterwegs eine acht Meter lange Teleskopstange besorgt und das Setup vor Ort umgesetzt. Das Ergebnis war beeindruckend. Wenn Abspannungen und Rigging einmal eingerichtet sind, benötigt der Aufbau des Photo Pole lediglich ein bis zwei Stunden zusätzlich.

Wie ist das Verhältnis zwischen

John Smoothy. Blue Mountains, NSW, Australien. vorab konzipierten und spontanen Aufnahmen im Buch?

Meine Arbeiten sind eine Mischung. Ich sehe es eher als ein Spektrum. Am einen Ende steht die dokumentarische Fotografie: Man geht hinaus, beobachtet das Geschehen und versucht, den Moment so authentisch wie möglich einzufangen – idealerweise mit einer ästhetischen Bildsprache.

Am anderen Ende stehen konzeptionelle Ansätze. Dabei beginnt alles mit der Frage: Was ist das Einzigartige an dieser Route oder an diesem Ort? Hat man darauf eine Antwort gefunden, geht es darum, diese Besonderheit in ein überzeugendes Bild zu übersetzen. Ich lebe in den Blue Mountains in New South Wales( Australien). Eine ihrer besonderen Eigenschaften ist eine morgendliche Inversionswetterlage: Die Täler füllen sich mit einem Wolkenmeer, während die Felswände darüber im Klaren liegen. Das eröffnet die Möglichkeit für ein Bild mit einem Kletterer hoch über einem Wolkenmeer – ein starkes Motiv, das es so nur dort gibt. Die Umsetzung ist allerdings anspruchsvoll. Die meisten Wände sind nach Westen ausgerichtet und bekommen morgens kein Licht. Über Jahre habe ich nach geeigneten Spots gesucht, Setups entwickelt, Rigging-Lösungen getestet, um das Konzept umzusetzen. Das ideale konzeptionelle Bild entsteht für mich dann, wenn eine klare Idee auf die bestmögliche technische und gestalterische Umsetzung trifft.