PhotoWeekly 24.06.2026 | Page 27

SPECIAL INTERVIEW 27

Monique Forestier mit Fred Moix. The Totem Pole, Cape Hauy, Tasmania, Australien.

Wie gelingt es, starke Bildkompositionen zu realisieren, wenn man selbst in der Wand hängt? Zunächst sollte man sagen, dass viele meiner Aufnahmen auch vom Boden oder vom Wandfuß beziehungsweise von oben aus entstehen – nach einem anspruchsvollen Zustieg oder über eine exponierte Perspektive. Etwa ein Drittel meiner Bilder ist auf diese Weise entstanden. Der Großteil jedoch entsteht tatsächlich im Seil hängend. Entscheidend ist dabei das saubere Rigging. Die eigentliche Herausforderung liegt darin, das Seil exakt an der richtigen Position zu installieren. Ist der Fixpunkt einmal optimal gesetzt, sind die gestalterischen Möglichkeiten vergleichsweise frei: Man kann sich abseilen oder mithilfe eines Jumars am Seil aufsteigen. Zusätzlich gibt es verschiedene Techniken im Seilaufbau, um Pendelbewegungen zu vermeiden und stabil zu arbeiten. Letztlich geht es darum, Rigging und Seiltechnik so zu beherrschen, dass sie die Bildgestaltung nicht einschränken, sondern ermöglichen.

Gab es Situationen, in denen Sie alles aufgebaut, sich abgeseilt und dann festgestellt haben, dass Sie zehn Meter weiter links stehen müssten? Ja, absolut. Ein Klettershoot ist in gewisser Weise immer auch ein taktisches Spiel. Wenn Zeitdruck herrscht und jemand gerade in der Route ist, heißt es schnell reagieren – da bleibt wenig Spielraum für Korrekturen. Ideal ist es, einen Spot vorab zu scouten: sich abzuseilen, Blickwinkel zu prüfen, durch den Sucher zu schauen und Testaufnahmen zu machen. Diese Vorbereitung ist enorm wichtig. Auf Reisen hat man diesen Luxus jedoch oft nicht. Manchmal bleiben nur ein paar Tage oder eine Woche, um an einem Ort überzeugende Bilder zu realisieren – und dann muss vieles schnell und präzise funktionieren.

Ist Kletterfotografie eher temporeich oder braucht es viel Geduld? Wartet man nach dem Aufbau auf den richtigen Moment in der Route? Es ist bei-

Chris Hampton mit Andy Kuylaars als Sicherer. Ancient Astronaut, The Moai, Tasmanien, Australien.

des. Im Grunde ist es ein ständiges „ Eile mit Weile“: lange Phasen des Wartens – und dann muss plötzlich alles sehr schnell gehen. Manchmal hat man ausreichend Zeit, in anderen Situationen entsteht auch während des Shootings spürbarer Druck, und dann ist effizientes Arbeiten gefragt. Die Kletterer sollen nicht unnötig aufgehalten werden, gleichzeitig kann es sein, dass man spontan die Position wechseln möchte. Währenddessen laufen im Kopf permanent mehrere Prozesse parallel: Bildkomposition, Kameratechnik, eigener Standpunkt, Timing der Aktion. Wenn am Ende alles zusammenpasst und ein starkes Bild entsteht, ist das enorm befriedigend.

Der Autofokus der Nikon Z 9 ist außergewöhnlich leistungsfähig.

Welche Motive fotografieren Sie am liebsten?

Am meisten begeistern mich Bilder, die sowohl etwas über die Route als auch über den Ort erzählen. Die Kletteraktion einzufangen, ist wichtig – und ich liebe diese Dynamik. Doch ein wesentlicher Teil der Faszination des Kletterns liegt im Umfeld. Die Orte, an die einen das Klettern führt, sind oft spektakulär. Genau diese Verbindung aus Bewegung, Felsstruktur und Landschaft inspiriert mich am stärksten.